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von • 6. Mai 2012 • Das Digitale, Das Leben, Die PhotosKommentare (0)948

Auf der Suche nach Act!on

Ich muss einleitend erwähnen, dass ich das erste Mal auf diesem total digitalen re:publica Dingsbums war. Und wie das beim ersten Mal ist, habe ich mir da total viel drunter vorgestellt. Interessante und ausgefeilte Vorträge oder den ein oder anderen Internet-Junkie wieder treffen zum Beispiel. Damit: Einleitung *off*.

Doch wie das so ist, kommt vor der Kür erst die Pflicht. So dass ich mich, trotz meiner unfassbaren Wichtigkeit, erstmal in der Warteschlange einreihen musste.
Nachdem ich mir dann nach gefühlten Ewigkeiten dieses heiß begehrte re:publica Bändchen samt Jutebeutel (solche Beutel sind anscheinend lebenswichtig, da so gut wie jeder in der Hauptstadt damit rumläuft) abgreifen dürfte, konnte ich endlich diese digitale Internetluft schnüffeln. Ehrlich gesagt fand ich sie bei gefühlten Außentemperaturen von 30 Grad ziemlich muffelig und dank alter Halle etwas verstaubt. Aber die dort versammelte Socia Media Gedönsexperten und Blogger Hipster können so etwas ab! Obwohl von dieser Action Act!on weit und breit nichts zu sehen war. Überall nur Sitzmöglichkeiten zum Abhängen incl. Steckdosen zum Aufladen seines Hightech-Equipments. Wo in aller Welt waren die Filmkulissen und Stuntmen, die unter lautem *KRAWUMM* in die Luft gesprengt oder durch brennende Reifen geschossen werden? Na gut: es standen 3 oder 4 Kicker rum. Aber der Messe deshalb so ein Motto aufdrücken?

Vielleicht machen das die Leute hier auch nicht so. Also das getan, wofür ich da war: etwas zu lernen. Kurzerhand in eine der Vorträge gesetzt und festgestellt, dass die meisten Leute da auf den Stages zwar Ahnung von diesem neumodischen Internetzeugs zu haben scheinen, aber die wenigsten von Präsentationen. Es sei denn, es ist wieder angesagt, langweilige Powerpoint-Präsentationen noch gelangweilter runter zu rasseln. Manch einer hat sich dabei tatsächlich die Haare ausgerissen! Ab und an kam ich mir vor wie auf einer Tupperfahrt. Es fehlte eigentlich nur die Drohung, dass man die Vorlesung erst dann wieder verlassen darf, wenn man den Präsentatoren Bettdecken, Schneidesets oder nicht Streifen ziehende Fensterreiniger abkauft.

Von gefühlten 100 Vorträgen fand ich 5 bis 10 echt cool präsentiert und hab sogar vor Begeisterung geklatscht. Evtl. meinten das die re:publica Macher auch mit dem Motto Act!on? Keine Ahnung! Aber ich muss auch keine habe, weil ich kein Experte unter den ganzen Experten war.
Dieses Hin & Her zwischen den Vorträgen war echt anstrengend. Stage 3 war irgendwie so gut versteckt, dass selbst ein Organisator dieser Messe mit der Frage „Wo finde ich Stage 3?“ kurzfristig überfordert war. Das lag übrigens nicht an der schier riesigen re:publica Fläche, sondern an der teilweise etwas verwirrenden Raum… äh… Stageverteilung, so dass auf Stage 2 nicht 3 sondern 1 folgte. Nummerisch auf/absteigend ist eh out und was für diese angegrauten Bürokraten, zu denen wir nicht gehören!

Was mich irritiert hatte war, dass man Tweets auf der re:publica ausdruckte, um sie an eine Wand zu hängen. Das ist ähnlich, als wenn man eine Mail ausdruckt, um sie weiter zu faxen. Aber das Ergebnis innerhalb kürzester Zeit sah schon cool aus. Und hey: für den Effekt tut man schließlich alles vieles. Allerdings war ich mir auch hier nicht sicher, ob die Macher mit Act!on meinten, dass Leute den ganzen Tag vom Drucker zur Twitterwall eilten, um die Blätter dort schließlich aufzuhängen.

Die ganze re:publica glänzte durch mehr oder weniger wichtige Leute, die eifrig auf und ab liefen, um so etwas wie Wichtigkeit auszustrahlen. Ich fühlte mich dabei winzig klein, als ich diesem Treiben zusah. Interessant war, dass, obwohl das Internet ja nur hippe Leute beherbergt, jede Menge Anzugträger zu sehen waren. Da kam ich mir in meinen Baggy Jeans, Chucks und T-Shirt ziemlich unbedeutend vor. Aber zum Glück hatte ich ein iPhone und iPad dabei, um damit wenigstens etwas am Glanz der anderen teilhaben zu können.

Trotz aller besuchten Vorlesungen auf diesen Stages, trotz allem hin & her Laufen und unfassbar wichtigen Gesprächen konnte ich keine Act!on ausmachen. Hatte ich etwa umsonst meine 3D-Brille die ganze Zeit mitgeschleppt? War mein Traum verpufft, ein bisschen Hollywood Feeling im schnöden Berlin zu schnuppern?
Nachdem ich schon wild fluchend und pöbelnd diese re:publica verlassen wollte, sichteten meine Augen schließlich die Veranstaltung „Royal Revue III – Das große Finale“ mit @Nilzenburger und @Hermsfarm. Und mein nie falsch liegender Sinn sagte mir, dass ich da unbedingt hin muss. Also hin und da war sie endlich: die Act!on, nach der ich so lange auf dieser re:publica gesucht hatte. Es gab unfassbar wichtige Themen wie Tiercontent, Tränen des Abschieds, total coole (?) Musik und Bingo, welches viele aufgrund erschreckend einfacher Regeln hoffnungslos überforderten! Mein Herz machte Purzelbäume vor Glück. Es gab unter anderem Justin Bieber Radiergummis, Tattoos zum Aufkleben und Gummifische zu gewinnen. Ich hätte vor lauter Hach-Erlebnissen fast geweint. Endlich hatte ich das Gefühl von „Nach Hause kommen“.
Ich hab leider nichts beim Bingo gewonnen, aber mein seliges Lächeln reichte bis spät in die Nacht hinein. Da konnte selbst ein Justin Bieber Radiergummi nicht gegen anstinken!
Nachdem also die re:publica dann doch noch mit Act!on (diese Schreibweise macht mich auf Dauer übrigens verrückt) endete, bin ich nun wieder in der total offline scheinenden Stadt Hamburg, die ja sowas von gar nicht gegen dieses sexy Berlin anstinken kann. Zumindest habe ich das in einem der Vorträge gelernt. „Berlin ist hip – der Rest ist fürs Klo“. Aber man muss ja dann doch nicht alles den wichtigen Leuten glauben, die auf den Stages standen.

Abschließend sei erwähnt: ich habe eine gelben re:publica Jutebeutel. Damit bin ich dann auch in Hamburg ein kleines bisschen hip.

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