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von • 14. August 2017 • Das Digitale, FeaturedKommentare (0)1155

Das Ding mit den App-Abos

Seit einiger Zeit wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben: App-Abos.
Heißt: Man zahlt in regelmäßigen Abständen (monatlich oder jährlich) für die Nutzung einer App, anstatt diese für einen festgelegten Preis zu kaufen, um sie im Anschluss immer nutzen zu können. 

Populäre Apps wie 1Password, Day One und neuerdings Ulysses nehmen so bereits ihr Geld ein. 
In diesem Zusammenhang lese ich häufig Kommentare verärgerter User, wie „Viel zu teuer“, „Abos kommen mir nicht ins Haus“, oder „Halsabschneider“.

Warum sträuben sich viele User vor solch einem Zahlungsmodel? 

Erstens haben viele vor einiger Zeit einen Vollpreis für die App gezahlt und sollen/müssen nun auf ein Abo umstellen. Da ist der Ärger nachvollziehbar. Schließlich zahlte man einen häufig nicht geringen Betrag dafür, um nun monatlich zur Kasse gebeten zu werden – wenn man die App denn weiter nutzen möchte.
Zweitens gibt es User, die sich über die Höhe der monatlichen Abo-Beträge beschweren. Diese variieren, liegen im Schnitt monatlich aber so zwischen 5 bis 8 Euro. Nicht unbedingt ein Schnäppchen! 
Drittens gibt es da noch die „Geiz ist Geil“-Mentalität von Usern, die sich egal über welchen Preis beschweren. Etwas kostet und ist damit grundsätzlich der Feind! 
Zu guter Letzt kommt hinzu, dass Konsumenten häufig immer mehr fordern – ohne gewillt zu sein, dafür den entsprechenden Preis zahlen zu wollen. Eine Einstellung, die einfach nicht auf Dauer funktionieren kann. 

Dann gibt es die Sicht der Entwickler. 
Besonders bei Apps wie z. B. 1Password sitzt nicht nur ein Entwickler in seinen eigenen vier Wänden. Vielmehr sind es häufig eine nicht gerade kleine Zahl an Mitarbeitern, die dafür sorgen, dass die App läuft und weiterentwickelt wird.
Dazu gibt es Support, der bei Fragen rund um die Nutzung mit Rat & Tat zur Verfügung steht.
Und dann wären da noch die Kosten für Büro(s), Strom, Server und, und, und. 
Das alles kostet Geld. Und ein monatlich (konstanter) Abo-Geldfluss macht all das bezahlbar(er). 

Aber auch aus User-Sicht finde ich das Abo-Model gar nicht mal so unsexy.
Ich zahle im schlimmsten Fall (beispielsweise) 5 Euro für einen Monat App-Nutzung.
Im Preis inbegriffen ist der volle Umfang der App. Nichts ist abgespeckt. Für nichts muss ich noch mal einen zusätzlichen In-App-Kauf tätigen. Ich bekomme den vollen 360 Grad Rundum-Blick. 
Häufiger gibt es auch einen kostenlosen Testzeitraum, um sich einen Überblick über die App zu verschaffen. Bei Kaufversionen ist das im AppStore nicht möglich. 

Stelle ich während der vier Wochen (oder des Testzeitraums) fest, dass mir die App nicht gefällt, kündige ich und gut ist. Im schlimmsten Fall habe ich einen Betrag X in den Sand gesetzt. Immer noch günstiger, als einen viel höheren Vollpreis für etwas gezahlt zu haben, was ich im Anschluss nie wieder nutze. 
Gefällt mir die App aber so gut wie erhofft und bringt mir einen Mehrwert, dann bin ich persönlich gerne bereit, monatlich dafür zu zahlen.
So werden die Entwickler langfristig unterstützen und ihre App am Leben gehalten. Eine Win/Win-Situation! 

Ich zum Beispiel, werde mir nach der Umstellung auf das Abo-System „Ulysses“ anschauen. Die App interessiert mich schon länger. Allerdings waren mir die Kosten für die Kaufversion zu hoch. Nun kann ich sie mir zwei Wochen kostenlos anschauen und ohne Einschränkungen testen. Bringt sie mich in meinem Workflow weiter, schließe ich ein Jahresabo ab. 

Besonders bei einem Einmal-Kauf bin ich mir nicht sicher, ob es den Entwickler auch in zig Monaten noch gibt, weil sich die App im schlimmsten Fall nur bei Release gut verkauft hat. 

In der Twitter-App Twitterrific kann man den Entwicklern Geldgeschenke machen. Das Ganze beruht auf freiwilliger Basis.

Deutlich schlimmer und nervender sind für mich da In-App-Käufe für eine bereits gekaufte App.
Hier komme ich mich regelrecht verarscht vor. Ich zahle einen Betrag für die Vollversion, um im Anschluss weitere Features hinzukaufen zu müssen. Häufig fehlt mir die Transparenz, welche Features ich bei Kauf der Vollversion nochmals zahlen muss und wie hoch die Kosten dann ausfallen. 

Zurück zum Abo-Model: 
Ich denke, dass noch ein Service-Puzzleteil zwischen Vollversion und Abo fehlt, um es der Mehrzahl der Konsumenten schmackhafter zu machen, monatlich einen Betrag für die Nutzung auszugeben. 
Deutliche Kommunikation, teilweise günstigere Abo-Gebühren, oder die Nutzung der App nach Kündigung, aber ohne weitere Updates und aller/abgespeckter Funktionen – das sind nur grobe Ansatzpunkte, die auf Dauer vielleicht auch die Skeptiker vom Gegenteil überzeugen könnten. 
Sollte es die App vorher nur als Vollversion gegeben haben, müssen die Käufer eine Alternative erhalten. Beispielsweise vergünstigte Kosten pro Monat, wie es die Ulysses-Entwickler tun. 

Es gibt hoffentlich genügend Optionen, um Kunden und Entwickler glücklich zu machen.
Egal, für welches Zahlungsmodel man sich auch entscheidet. 

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