MENÜ

von • 24. August 2017 • Das Leben, Die Gedanken, FeaturedKommentare (0)424

Der liebe Nachwuchs

Etwas mehr als vier Woche ist es nun her, dass wir in einen Vorort von Hamburg fuhren, um ein kleines Hundeleben in unsere Arme zu schließen. 
Bisher kannten wir sie nur von Bildern und Videos. Nun war der große Moment gekommen, sie live kennen zu lernen. 

Ich werde wahrscheinlich nie den Moment vergessen, in dem wir in das Haus eintraten und eine kleine Hundenase mit zwei Knopfaugen um die Ecke blicken sahen. 
„Du bist ja winzig!“ kam mir dabei als erstes in den Sinn und sprach es nur einen kurzen Augenblick später laut aus. Kein Wunder, denn zu diesem Zeitpunkt war sie erst knapp vier Monate jung, wirkte auf den Bildern aber schon viel größer.
Um direkt ihre besten Freunde zu werden, waren Franzi und ich mit jeder Menge Leckerlis angerückt. Und so lernten wir uns kennen, ganz sachte und behutsam, bevor wir sie mit in ihr neues Zuhause nahmen. 

Während ich diese Zeilen tippe und immer wieder zufrieden lächelnd auf unsere kleine Bowie schaue, kommt es mir schon so viel länger, als nur einen Monat vor. 
Ich denke, dass das ein gutes Zeichen ist, wenn die Zeit wie im Fluge vergeht. 

Das liest sich jetzt vielleicht alles so ein bisschen, wie durch eine rosaroten Brille geschrieben. Ich will nicht abstreiten, dass es zumindest in kleinen Teilen so ist. 
Auf der anderen Seite hatte ich vor einigen Jahren bereits einen Hund und weiß sehr gut einzuschätzen, das mit einem Hund (genau so, wie mit jedem anderen Lebewesen) nicht alles nur „Supermegabombastischtoll“ ist. 

Ein Hund ist vor allem eins: Verdammt viel Verantwortung!

So spielte besonders ich bei den ersten Überlegungen, einen Hund bei uns aufzunehmen, bewusst den Miesepeter. 
Viel Arbeit, viel Ärger, viel Saubermachen und auch rausgehen müssen, wenn es draußen in Strömen regnet und stürmt. Nur einige meiner Argumente gegen einen Hund. 
Der Prozess bis zur finalen Entscheidung zog sich über Monate hinweg. Ich denke, es war knapp ein Jahr von der ersten fixen Idee bis hierher. 
Und ich möchte jeden, der ebenfalls mit dem Gedanken spielt, sich einen Hund (oder sonst für ein Haustier), dringend empfehlen, sich intensiv Gedanken über diese Verantwortung und damit verbundenen Verpflichtungen machen. 
Genau so, wie man nicht „mal eben so“ ein Kind in die Welt setzen sollte. Aber das ist ein anderes Thema. 

Wir haben sehr viel Glück mit Bowie. Sie ist ein herzliches, intelligentes und liebevolles Tier. Natürlich ist sie mit ihren fünf Monaten noch wild (gerade so über den Welpen-Status hinaus), testet aus, was sie darf und nicht darf. Aber es ist wunderbar mitzubekommen, wie sie die Welt und alle damit verbundenen schönen (und unschönen) Dinge mit absoluter Unbefangenheit für sich entdeckt. 
Und ja: Sie hat auch ein paar Mal in die Wohnung gemacht. Aber nicht, weil sie das böswillig machte, sondern weil wir ihre „Ich muss man dringend Pipi!“-Zeichen nicht rechtzeitig erkannt hatten. 

Ich halte nichts davon, Tiere wie Menschen zu behandeln. 

Natürlich verfallen wir auch ab und zu mal in den Modus, mit dem Tier wie mit einem Menschen zu sprechen. Im Anschluss stelle ich mir vor, wie sie sich dabei so etwas wie „Was labern die da die ganze Zeit? Ich hab keine Ahnung. Ob Schwanzwedeln hilft, um sie ruhig zu stellen? Oder soll ich ihnen vielleicht zeigen, wie toll ich mir den Popo lecken kann?“ GUUUUUUCK!“.

Tiere folgen in erster Linie ihren Instinkten. Sie reflektieren nicht. Geschweige denn, dass sie unsere Sprache verstehen könnten. 
Aber trotzdem ist so ein Tier ein integriertes Familienmitglied, das Regeln kennen und befolgen sollte. 
Daher trainieren wir täglich mit ihr. Bringen ihr Kommandos bei. Machen uns in der Öffentlichkeit häufig genug zum Affen, wenn wir mit Bowie im ZickZack durch die Gegend laufen, weil sie an der Leine zieht, oder irgendwo bockt. 
Dabei wird nicht nur sie trainiert, sondern ganz besonders unsere Geduld und „Scheiß egal, was die Leute um mich herum gerade denken“-Einstellung. 

Man hört ja immer mal wieder, dass Tiere einen positiven Einfluss auf Menschen haben. Und ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätigen. 
Bei allem Ärger und Gefluche über manche Dinge, bin ich doch entspannter und ausgeglichener geworden. Mein Fokus hat sich geändert und ich bin ruhiger drauf – zumindest bilde ich mir das ein. 

Ich bin dankbar, glücklich und ein gutes Stück demütig, dass die kleine Bowie bei uns ist. Dass es ihr gut geht uns sie uns spüren lässt, dass sie uns lieb hat. Sei es, dass sie mich liebevoll beim Spielen anknabbert, mich jeden Morgen freudig weckt (noch bevor der Wecker seinen Dienst verrichten könnte) oder auf meinen Füßen schläft, um dabei im Traum zu bellen. Was sich übrigens wie kleine Seifenblasen beim Zerplatzen anhört. <3 

Ich bin gespannt, was die Zukunft mit Bowie bringt und bin froh über die bewusste Entscheidung, ein Tier bei uns aufzunehmen. 

Auf viele weitere, spannende Abenteuer mit der kleinen Bowie! 


P.S.: 
Ich bin weit davon entfernt, alles rund um unseren Hund zu glorifizieren. Sollte sich dieser Text so lesen, war bzw. ist das nicht meine Intention. 
Ein Tier ist nicht nur „Alles toll und wunderbar“. Es ist häufig genug auch viel Ärger, Nerven und Frustration.

  • Wenn du keine Zeit in die Erziehung (die ein ganzes Tierleben lang dauert) hast: Mach einen Bogen um ein Tier!
  • Wenn dir Konsequenz zu anstrengend ist: Mach einen Bogen um ein Tier!
  • Wenn du glaubst, das Tier hat keinen eigenen Willen, oder du ihm nur deinen aufdrängen kannst: Mach einen Bogen um ein Tier!
  • Wenn du meinst, dass du einen Hund einfach mal mehrere Stunden alleine Zuhause lassen kannst: Mach einen Bogen um ein Tier!
  • Wenn du annimmst, dass ein Hund nicht viel kostet: Mach einen Bogen um ein Tier!

Die Liste lässt sich sicherlich erweitern. 
Aber solltest du jetzt schon bei mindestens einem Punkt abwinken, dann lege ich dir nahe, es sein zu lassen. Insbesondere zum Wohl des Tieres! 
Genieße vielmehr die Zeit mit deinen menschlichen Freunden und die vielen Freiheiten, die du hast. Das ist ebenfalls toll. 

Weitere Bilder von der kleinen Bowie gibt es auf meiner Foto-Webseite www.blende1.net

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen