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von • 11. August 2012 • Das Leben, Die GedankenKommentare (0)1150

Ein Tag im Park

07:43 Uhr
Eigentlich hatte ich mir an diesem Samstag den Wecker um 9:00 Uhr gestellt, um nicht meinen Friseurtermin zu verschlafen. Den habe ich wiederum um 10:00 Uhr. „Pünktlichkeit ist meine Stärke“, denke ich mir, während ich über mich selbst fluche, so früh bereits die Augen offen zu haben.

09:55 Uhr
Wo ich es eben schon von Pünktlichkeit hatte, begrüße ich den Friseur mit Handschlag und einem Lächeln. „Sportlich schnittig“, antworte ich auf die Frage, wie ich denn gerne die Haare geschnitten haben möchte. Kurz danach holt er den Langhaarschneider aus der Schublade und setzt an. Hui: das wird ein Spaß, den Eierkopf freizulegen!

10:30 Uhr
Wir unterhalten uns während des (fast) Kahlschlags über Themen, über die sich Männer halt so beim Friseur unterhalten: Olympia, Fußball und das Wetter. Fühle mich nun nicht nur luftig leicht auf dem Kopf, sondern stelle auch fest, dass ich gar nicht so einen Eierkopf habe wie befürchtet. Zu allem Überfluss sind meine Plüschohren noch dran. Hurra!

10:45 Uhr
Stehe an der Ubahn-Station Kellinghusenstraße, weil ich beschlossen habe, mir das neue Buch von @MatthiasSachau Andere tun es doch auchin einem Buchladen in der Europa Passage zu kaufen. Zum Einen, weil @im_wunderland eine hohe Meinung über Herrn Sachau hat und zum Anderen, weil die Beschreibung des Buches sehr gut ist. Außerdem hat das Buch ein schönes rotes Cover. Das erinnert mich an diese großen roten Buttons die ich immer drücken muss, sobald ich welche sehe.

11:10 Uhr
In meiner Eastpak-Umhängetasche befindet sich nun besagtes Buch und ich bin voller Tatendrang, dieses sofort lesen zu wollen. Aber nicht am Jungfernstieg, wo es vor lauter und komisch riechender Menschen-Touristen nur so wimmelt. Ich will in einen schönen und vor allem ruhigen Park.

11:45 Uhr
Sitze im Park an der Ubahn Kellinghusenstraße und beginne, die ersten Seiten des Buches zu lesen. Stelle mir vor, was wohl die Leute über den Typen da auf der Bank denken, der laufend vor sich hingrinst. Beschließe, dass mich das nicht weiter stört und lese grinsend weiter die Zeilen von Kai und Lana, die mich allzu häufig an mich selbst erinnern.
Bestimmt denkt das jeder, der das Buch liest.

12:10 Uhr
Während ich mir eine Kippe anmache, schweift mein Blick über den Park in dem ich mich auf einer Parkbank sitzend befinde. Dabei stelle ich fest, dass in einiger Entfernung so eine Bikinischönheit in der Sonne vor sich hin brutzelt, während in unmittelbarer Nähe kleine Kinder Olympia nachspielen und junge Eltern anfangen zu grillen. Überlege, ob es wohl zum guten Ton eines jeden Parks gehört, dass sich mindestens eine Bikinischönheit dort sonnt, sobald die Sonne am Himmel zu sehen ist. Verwerfe diese Art von Gedankengang aber wieder als mir via WhatsApp @im_wunderland schreibt, dass ich einen Knopf meines Hemdes wieder schließen soll.
Hätte ihr doch kein Photo von mir, meinem EierKopf und dem nicht ganz zugeknöpften Hemd zuschicken sollen.

13:37 Uhr
Mache eine kurze Lesepause und photographiere den Himmel über mir.

13:49 Uhr
Nachdem ich wieder in die Zeilen des Buches vertieft bin, höre ich ein „Hi! Hi!“ in meine Richtung schallen. Als ich aufblicke, sehe ich einen Obdachlosen auf mich zu kommen, der sich direkt auf die Bank neben mir setzt und erklärt, dass man in England ja nur 1x „Hi!“ und in den Niederlanden 2x „Hi!“ sagt. Ich korrigiere ihn nicht, dass man in Holland (für die Leser, die mit Niederlande nichts anfangen können) „Hoi!“ bevorzugt.
Anscheinend kommt der Obdachlose aus dem Rheinland. Denn ohne Aufforderung, drückt er mir seine Lebensgeschichte auf beide Ohren. Dass er ja in England war und überlegt, dort zu arbeiten. In meinen Gedanken macht sich „Halt an deinen Träumen fest“ breit und ich antworte ihm, dass er das doch tun soll, wenn er das wirklich will.
Zwischenzeitlich kommt ein Hund vorbei, der mir seinen vollgesabberten Ball vor die Füße legt. Nachdem ich den 3x weggeworfen habe, scheint der Hund keine Lust mehr auf das Ballspiel zu haben.

13:59 Uhr
Meine Mitmenschen-Liebe hört auf als er mir erzählt, dass er totale Verdauungsprobleme hat, während er sich dabei einen Drink aus Wodka, RedBull, Küstennebel und noch einer hochprozentigen Substanz in einem Pappbecker schüttet.
Ich packe das Buch wieder in meine Tasche, hänge mir diese lässig über die Schultern, verabschiede mich von dem Herrn und laufe Richtung Eppendorfer Park.
Mal sehen, ob sich meine Theorie der Bikinischönheiten in jedem Park bestätigt.

14:06 Uhr
Mache einen kurzen Abstecher in einem Bio-Markt, in dem ich mir 4 Äpfel kaufe. Bei einem Preis von knapp 3 Euro für die Äpfel frage ich mich, ob ich damit der Umwelt einen Gefallen tue oder doch eher dem Besitzer des Bio-Ladens.

14:12 Uhr
Bin nun im Eppendorfer Park. Werde nicht von Bikinischönheiten, sondern von Pferden begrüßt. Auch nett und mal was anderes! Evtl. liegt es auch daran, dass ich nur zwei anstatt drei Knöpfe meines Hemdes offen habe, damit sich die Freundin virtuell nicht aufregen muss.
Setze mich abermals auf eine gemütlich erscheinenden Parkbank und lese mich wieder in das Buch, aus dem ich vor einigen Minuten so unsanft herausgezogen wurde. Aus einiger Entfernung dröhnt kein „Hi!“ sondern DummDummDumm-Musik an meine Ohren. Ist auszuhalten und niemand weit und breit, der entweder Redebedarf hat oder nach Bikinischönheit aussieht. Dafür fährt in einiger Entfernung ein Traktor mit Anhänger samt Kindergruppe auf einer Wiese auf und ab.
Pferde und ein Traktor. Fast so wie Ferien auf dem Bauernhof.

14:55 Uhr
Mache erneut ein Photo vom Himmel über mir.

15:48 Uhr
So langsam tut mir der Hintern vom vielen Sitzen weh und gehe daher in Richtung Zuhause. Vorher noch ein Abstecher in mein kleines Stück heile Welt, um mir dort ein Eis (Cornetto Nuss) und ein Vitamalz zu kaufen.

16:02 Uhr
Zuhause angekommen und das Eis samt Vitamalz intus, sage ich mir: „Ein schöner Tag im Park!“
 

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