MENÜ

von • 26. August 2012 • Das Leben, Die GedankenKommentare (0)1067

Mal eben schnell

Gestern mal wieder in einem großen Supermarkt gewesen. Name: Kaufland. Irgendwie schrecken mich ja schon alleine derartige Namen ab, dort tatsächlich einkaufen zu gehen. Konsum über alles. „Kauft! Kauft! Kauft!“ oder so. Wenn ich durch diese endlos langen Gänge mit Abzweigungen zu weiteren endlos langen Nebengängen mit meinem Einkaufswagen fahre, bin ich schnell mittelschwer überfordert und gestresst. Alle haben so einen irren Blick auf den Gesichtern, so dass man den Wagen gerne auch mal als Rammbock umfunktionieren würde. So mit Hörnern vorne dran und zwei fetten Auspuffrohren an den Seiten, damit man mich im ganzen Kaufland hört und alle ehrfürchtig Platz machen. Diese kaufanimierende Musik tut ihr übriges, mich alles andere als relaxed an derartigen Orten aufzuhalten. Ganz zu schweigen von den Super-Sonderangebots-Durchsagen nach dem Motto: „Kauft Zeug, was keiner braucht. Aber es ist im Angebot. Also braucht ihr es!“ (meistens von Stimmen vorgetragen, deren Besitzer vorher hauptberuflich in einem SM-Studio arbeiteten).
Irgendwie kein Wunder, dass so gut wie jeder Zombiefilm mindestens eine Sequenz hat, die in einem Einkaufszentrum gedreht wurde.

Eigentlich hatte ich gestern gar nicht vor, sonderlich viel einzukaufen. Da ich aber in der Nähe war, wollte ich „mal eben schnell“ in so ein Supermarkt reinspringen. Zu 99,9 Prozent eh falsch gedacht, wenn die Rede von „Mal eben schnell“ ist. Denn dieses Gewirr an Gängen war zumindest für mich die pure Überforderung, wenn man keinen Lageplan dabei hat, der einem den Standort der benötigt Waren aufzeigt. Daher plädiere ich dafür: Verteilt die am Eingang an hilflose Käufer, damit sie nicht elend irgendwo röchelnd mit „Ich wollte doch nur mal eben schnell Erbsen & Möhren kaufen“ zu Grunde gehen. Ich hab eine geschlagene Stunde zwischen all den Sonderangeboten und Zeug verbracht, bis ich endlich die Erbsen & Möhren gefunden hatte. In dieser Zeit habe ich die bemitleidenswerten Blicke der ortskundigen Käufer auf mir spüren können. So nach dem Motto: „Guck mal, Karl-Heinz! Der Arme. Der kommt nicht von hier“. Leider war weit und breit kein Verkäufer zu sehen, den ich nach dem Weg hätte fragen können. Die waren wahrscheinlich auch alle in der Zentrale damit beschäftigt, sich weitere Super-Sonderangebots-Durchsagen einfallen zu lassen. Obwohl das Nach-Dem-Weg-Fragen schon für einen Mann eine große Überwindung ist: ich hätte es getan.

Zufällig fand ich dann endlich die Erbsen & Möhren von Bonduelle. Also schnell zur Kasse, um sie noch schneller zu bezahlen und superschnell diese Legebatterien der Leistungseinkaufs-Gesellschaft namens Supermarkt zu verlassen.
Leider kamen gefühlte dreitausend Leute auch auf die Idee. Also anstehen, Geduld sammeln, bevor man überhaupt in unmittelbare Nähe der Rollbänder kommt, auf denen man sein erlegtes Gut wie eine Trophäe der Allgemeinheit präsentiert. Applaus bliebt bei meiner Beute zwar aus, aber das war mir völlig egal.
Nochmals 15 Minuten später dürfte ich der Kassiererin endlich das Geld für mein Zeug in die Hand drücken und von dannen ziehen. Auf ihre Frage, ob mit meinem Einkauf alles in Ordnung sei, antwortete ich aus Erschöpfungsgründen nicht.

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen