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von • 27. Juni 2012 • Das Leben, Die GedankenKommentare (0)827

Heldenhaftes Leiden

Man sagt uns Männer ja gerne nach, dass wir in den Augen der Frauen sehr zum Leiden geschaffen sind. Das fängt damit an, dass uns eine normale Erkältung so dermaßen aus den Socken haut, dass Frau nur milde drüber schmunzeln kann. Klare und strukturierte Artikulation? No fucking Way! Dann lieber röchelnd dem Gegenüber das Gefühl geben, dass es um Leben und Tod geht, weil man etwas zu trinken möchte.
Wir quälen uns im Bett, stöhnen lauter als beim Sex und sowieso ist alles  total furchtbar schlecht. Schließlich soll die Frau vollkommen im Bilde darüber sein, dass jeder Atemzug vom Mann der letzte sein kann. Also soll sie sich bei der liebevollen Pflege gehörig anstrengend, dass es ja nicht soweit kommt!

Ich rede da aus Erfahrung. Letztendlich bin ich auch nur ein Mann. Und derzeit plagen mich mehr oder weniger heftige Magenschmerzen. Da tut ein wärmendes MacBook auf dem Bäuchlein richtig gut. Und cooler als eine Wärmflasche ist es auch noch.
Blöd ist halt nur, dass niemand Zuhause ist, der mein heldenhaftes Rumstöhnen aufgrund der Magenschmerzen gebührend mit einem „Oooooooh, du armer, armer Mann“ kommentiert, damit man sich bestätigt fühlt. Telefonieren mit der Herzdame ist da nicht das Gleiche!
Also muss ich tatsächlich das tun, was von Mann verlangt wird: Mann sein! Und sich dabei selbst pflegen. Sprich: Tee machen, immer richtig zudecken, Medikamente schlucken usw usw usw. Dabei komme ich mir dann manchmal richtig heldenhaft vernünftig vor, dass ich aufgrund der Magenprobleme noch nicht gestorben (oder schlimmeres) bin. Ich leide. Ja. Manchmal. Aber still.

Ich meine: die Frauen sagen doch immer, dass wir Männer mehr Gefühle zeigen sollen. Und ich zähle auch körperlich schmerzliche Empfinden zu den Gefühlen. Und was ist, wenn wir dann ganz wehrlos wie Bambi auf der Couch oder im Bett mit Hundewelpen-Blick liegen und der Frau klar machen, dass es uns total superschlecht geht? In den meisten Fällen werden wir von Frau dafür belächelt … wenn unser Zustand länger als eine Woche andauert. Dann kann es auch schon mal passieren, dass wir uns ein „Jetzt stell dich aber auch nicht so an. Hab du mal die Regel“ (oder so) anhören müssen. Das sitzt dann natürlich total tief in unserer geschundenen Männerseele, denn schließlich wissen wir nicht, wie sich die Regel bei einer Frau anfühlt – wofür ich als Mann auch mehr als nur dankbar bin – und vielleicht ist die Regel (wie kam ich eigentlich auf dieses blöde Beispiel?) auch totaler Kindergeburtstag im Vergleich zu einer Erkältung oder Magenverstimmung bei Mann?

Dabei geht es bei uns Männern doch nur um eins: bei einem Aua genau so von der Frau liebevoll verwöhnt werden, wie wir es heldenhaft tun, sobald Frau ein Aua hat. Oder weil das Wetter bei 20 Grad Außentemperatur Frau veranlasst, die Heizung anzumachen. Oder weil ein Nagel abgebrochen ist. Oder weil die Frisur nicht so sitzt, wie sie soll. Oder, oder, oder …

 

– Dieser Beitrag enthält Spuren von Ironie –

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