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von • 30. Dezember 2011 • Das Leben, Die GedankenKommentare (0)1027

Meine Liebe

Ein unbeholfenes Model, das über den Laufsteg stolpert. Gewollt aber nicht mehr gekonnt. So nehme ich dich war.

Trotzdem erhellt ein Blitzlichtgewitter den Nachthimmel, sobald du unter tobenden Applaus die Bühne betrittst.
Ich, ich sitze still & ruhig in einer Ecke und beobachte dich. Ich stand noch nie auf diese Art von Publicity.
Deine Sprache ist wirsch und kaum zu verstehen, dass es allzu häufig in den Ohren schmerzt.
Dein Parfüm klebt in der Luft und lässt keinen Raum zum Atmen.
Deine (Miss)Erfolge gehören der Vergangenheit an.
Du hast vieles daran gesetzt, dich künstlich jung zu halten. Damit deine Narben, deine Ängste, deine Überwindungen dem Großteil des oberflächlichen Publikum nicht auffallen.
Nein: du bist nicht hässlich. Aber du bist auch nicht schön. Du bist speziell. Wie ein gecastetes Sternchen wurdest du ins Scheinwerferlicht geschupst.
Gut geht es dir nicht. Da wo es ankommt, kannst du deinen Schein wahren. Kommen dir die Kameras zu nahe, bröckelt deine Fassade. Dann kommt dein wahres Ich zum Vorschein. So spannend und aufregend dein Groupieleben war: man sieht dir an, wie sehr du dich ausgelebt hast. In deinem Lebenskampf und der Mauer, die du viel zu lange um dich rum gezogen hattest.

Ja! Du hast mit deinem Lebensstil Geschichte geschrieben und die wird für alle Zeiten in Büchern Generationen überleben, inspirieren und warnen. Jeder soll sich an dich erinnern. Weil du es verdient hast! Und weil du das alles nicht umsonst mitgemacht haben sollst.

Ich sah dich Anfang/Mitte der 80er und war begeistert. Besuchte dich Ende der 80er und Anfang der 90er und war noch mehr von dir angetan. Ich war dein Fan! Dann trennten sich unsere Wege für lange Zeit, bis ich dich irgendwann 200x wieder zu Gesicht bekam. Und wie bei einer alten Liebe die man sich durch die Entfernung über die Jahre schön redet, war ich geschockt, was du aus dir gemacht hast. Übertriebene Schminke im Gesicht. Abgetragen stinkende Kleidung am Leib.
Dein Herzschlag aus dem Takt geraten.
Nicht, dass du alles so für dich entschieden hast. Du hast vieles mit dir machen lassen und nun taumelst du so stark, dass ich dich fast schon bemitleide.

Sicher: du hast deine Fans.
Aber für mich bist du nicht mehr die Alte. Wirst überrannt von deinen Anhängern, die lautstark auf Konsum, Liebe und Unterhaltung aus sind. Die deinen Trends folgen wollen und dadurch wie geklonte Schafe aussehen. Die so cool wie du sein wollen, dann aber unter Alkohol- oder Drogeneinfluss über deinen liegengelassenen Müll stolpern. Die sich durch ihren ausgelebten Individualismus selbst zu Karikaturen ihrer selbst machen.
Deine Identität ist verloren gegangen und ich kann nur hoffen, dass du sie wiederfindest. Irgendwann… wenn man dich lässt.

Sobald ich bei dir Achtung Baby von U2 höre, die du Anfang der 90er mit deiner Präsenz inspiriert hast, dann blitzt die alte Zeit wieder hinter deiner Fassade hervor. In diesen kurzen Momenten fühle ich, wie es damals mit uns war. Spüre den Puls, der alles andere verblassen lassen hat. Wie aufgeregt ich war, dich zu sehen. Dich zu inhalieren. Dich zu leben.
Kurz danach merke ich, wie sehr ich unter Strom stehe, sobald die Erinnerungen durch die Scheiben der U- und Sbahnen verblassen.
Bin angespannt, weil du für mich eine verschlampte Diva geworden bist.
Und nichts, was ich dir mehr wünsche ist Ruhe, meine Liebe… Berlin.

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