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von • 12. Juli 2012 • Die Filme, Die GedankenKommentare (0)1467

Spinne, verlerne das Spinnen nicht

Am vergangenen Wochenende war ich nun also auch im neuen Spider-Man Film. 3D versteht sich! Und mal wieder lachte ich herzlich, wie drollig die werte @im_wunderland mit der 3D-Brille auf dem Näschen aussieht.
Als ich vor vielen Monaten erstes Material über The Amazing Spider-Man las, war ich direkt Feuer & Flamme. Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft erneut auf den Leinwänden der großen Kinosälen in 3D. Perfekt!
Und der erste Trailer, in dem man Spider-Man aus der Ich-Perspektive durch New York City schwingen sieht, hat mir den Atem verschlagen. Was für eine coole Idee!
Nun war ich also im Kino und schreibe hier meine persönliche Meinung über den Film.

Knapp 3 Stunden ist das neue Werk lang. Als erster Punkt: Andrew Garfield passt prima in die Rolle des Peter Parker. Die Geschichte um ihn und seine Wurzeln beginnt gut und wird recht ausführlich auch für Neueinsteiger erklärt. Ok! Soviel gibt es da jetzt nicht zu erzählen, aber die Macher nutzen die ersten knapp 1 1/2 Stunden für die Entfaltung der verschiedenen Charaktere und Story. Prima! Besonders grandios fand ich die Schauspielleistung von Rhys Ifans der Dr. Curt Connors spielt und dem man abnimmt, ein guter Kerl zu sein.
Das Ganze Setting des Films ist düsterer und ernster als damals unter der Regie von Sam Raimi. Für einige Lacher ist zwar gesorgt, aber insgesamt wirkt alles erwachsener.
Bis, ja bis, der Film pausiert, eine große 15 Minuten Pause Anzeige auf der Leinwand erscheint und man sich die Zeit für Fachsimpeln (=Nerdgespräche), einen Toilettenbesuch oder das Aufstocken von Knabberkram nimmt.
15 Minuten vorbei – weiter gehts!

Die Charaktereinführungen haben statt gefunden, Peter ist von der Spinne gebissen wurden und Onkel Ben (gespielt von Martin Sheen) liegt auch schon erschossen auf dem Boden. Tja. Und irgendwie passierte dann das, was ich nach der ersten guten Hälfte des Films nicht gedacht hätte: Die Story und Dialoge werden für mich flacher als manches Comic-Heftchen. Es gab Szenen, für die ich mich teilweise fremdgeschämt habe oder aber die absolut nicht zu Ende gedacht wurden. Es scheint fast so, als ob ein Drehbuchautor an der ersten und ein anderer an der zweiten Hälfte des Films werkelte.
[Wer sich nicht spoilern lassen möchte, der überspringt die Aufzählung]
Ein paar Beispiele:

  • Wie um alles in der Welt wussten die Kranführer, dass Spider-Man angeschossen wurde und „Starthilfe“ benötigt, um aufs Osborn-Firmengebäude zu kommen?
    Ganz zu schweigen davon, dass die Kräne rein zufällig gefühlte 5 Kilometer passend in den Häuserschluchten standen.
    In mir machte sich der Gedanke „Bei 9/11 waren die Feuerwehrmänner die Helden in NY. Jetzt sind es Kranführer?!“ breit.
  • Das Beherrschen der neuerworbenen Superkräfte findet irgendwie nur nebenbei statt und wird nicht so ausführlich erklärt/dargestellt wie damals bei Tobey Maquire als Spider-Man. Aber genau das ist doch cool! Über Nacht Superkräfte bekommen und erstmal lernen, damit umzugehen.
  • Mir war neu, dass sich Spider-Man mit Hilfe seines Spinnennetzes selbst heilen kann. Bezogen auf sein anfängliches Humpeln durch die Schusswunde bis er sich mit Hilfe von Zauberpuste *äh* Zauberspinnengewebe selbst heilt. Wirkte auf mich sehr plump.
  • Was haben eigentlich die Polizisten gemacht, als sie in Echsen verwandelt wurden? Anscheinend hechelten die nur auf dem Boden rum, anstatt in die Story integriert zu werden. Hätte man sich letztendlich sparen können.
  • Trauerte Mary Parker eigentlich die ganze Zeit alleine um ihren erschossenen Mann? Musste sich der Zuschauer größtenteils selbst zusammen reimen, denn die Trauer wird nur im Ansatz erzählt. Schade, denn das Band zwischen der Tante und Peter ist nach dem Tod vom Onkel noch enger als bereits vorher der Fall. Fällt im Film komplett nach hinten weg.
  • Warum in aller Welt sieht man zwar bei einem der mutierten Polizisten kurz eine Reptilienzunge aus seinem Mund schnellen aber kein einziges Mal bei Ober-Echserich Lizard??? Nur ein Detail. Aber die machen die Liebe zum Film bei mir aus.
  • Bei der Endszene mit Spider-Man haben mich die Vögelchen im Hintergrund arg an einen John Woo Film erinnert. *örgs*
  • Positiv: Gwen Stacy (gespielt von Emma Stone) kreischt kein einziges Mal im Film wie damals die Sirene Mary Jane Watson (gespielt von Kirsten Dunst)
    Negativ: man sieht kein einziges Mal die Nippel von Gwen Stacy wie damals bei Mary Jane (Ok! Das ist zu vernachlässigen – wollte ich aber aufgrund der Vollständigkeit erwähnt haben)
  • Warum ist am Ende der Schlägertyp Flash plötzlich persönlicher Buddy von Peter? Nur weil er ein Spider-Man T-Shirt trägt? Unnötige Szene!
  • Glaubt Spider-Man tatsächlich, dass George Stacy (gespielt von Denis Leary) den Lizard mit einem Schrotgewehr in Schach halten kann, nachdem der Spinnerrich schon gehörig von der Echse aufs Maul bekommen hat?!

[Spoiler Ende]
Das sind einige der Ungereimtheiten und ungewollt komischen Momente im Film, die mir sauer aufgestoßen sind. Ja klar: Es ist „nur“ eine Comicverfilmung. Aber auch hier erwarte ich, dass die Produzenten und Autoren das Drehbuch durchdenken. So hat sich bei mir das Gefühl breit gemacht, dass denen die Luft ausgegangen bzw. (Achtung: Wortspiel) der Faden gerissen ist.
Es gab (natürlich) wieder eine Szene mit Mastermind Stan Lee, aber das alleine tröstet mich nicht darüber hinweg, dass Sony Pictures in meinen Augen zwar einen technisch perfekten Film auf die Leinwand gebracht hat, der aber teilweise ohne Liebe zum Detail glänzt.

Die x Euro für die Spider-Man Neuauflage sind sicherlich nicht schlecht investiert. Besonders nicht für Zuschauer, die keinen großen Wert auf Story & Tiefe legen sondern einfach nur fette Action sehen wollen.
Auch für Fans der Spinne aus der Nachbarschaft ist der Film weder komplett verhunzt, noch eine totale Enttäuschung. Aber wie man auch so schön beim Fußball sagt: es wäre mehr drin gewesen.
Auf den Punkt gebracht: Sam Raimi hat mit der Liebe zu Spider-Man geglänzt – Marc Webb anscheinend „nur“ seinen Job erledigt.

Und jetzt: The Dark Knight Rises bitte!

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