Als Nicht-Disney-Film-Fan und mit einer ordentlichen Abneigung gegen Singsang in Filmen ausgestattet, schaute ich (ja, größtenteils meiner besseren Hälfte zuliebe …) „Die Eiskönigin 2“ und fragte mich, ob ich die 103 Minuten Laufzeit in meinem Kinosessel ausharren kann. Lies in meiner Filmkritik, wie es mir ergangen ist.

Worum geht’s?

„Im neuen Abenteuer genießen die Schwestern Anna und Elsa ihr ruhiges Leben in Arendelle. Bis eines Tages eine eigenartige Unruhe Elsa ergreift und eine geheimnisvolle Stimme sie in den Wald ruft, die ihr Antworten auf all ihre Fragen verspricht: Warum ist sie so wie sie ist, warum hat gerade sie magische Kräfte? Zusammen mit Anna, Olaf, Sven und Kristoff bricht sie auf, das Rätsel zu ergründen. Dabei trifft die Crew nicht nur das Volk des Waldes und andere neue Weggefährten, auf ihrer abenteuerlichen Reise müssen Elsa und Anna einmal mehr zusammenhalten und füreinander mit Mut, Vertrauen und Schwesternliebe einstehen.“ (Quelle: Disney Pictures)

Die Eiskönigin 2 Filmkritik
Die Eiskönigin 2, Disney Pictures

Eiskönigin-Vorbildung

Den ersten Teil der Eiskönigin habe ich mal Zuhause so nebenbei und mehr schlecht als recht angesehen. Faktisch hatte ich also keinerlei Vorbildung, was die Geschichte betrifft.
Was ich grob wusste war, dass es um zwei Schwestern geht, wovon die eine irgendwas mit Eis zu tun hat und dass der erste Teil ziemlich erfolgreich bei Jung & Alt war.

Fassen wir mal zusammen:

  • Ich hasse Gesang in Filmen
  • Den Großteil von Disney-Streifen halte ich für extrem überbewertet
  • Ich mache einen großen Bogen um Disney-Streifen, in denen gefühlte jede fünf Minuten gesungen wird

Eine denkbar ungünstige Mischung, um mir Die Eiskönigin 2 anzusehen.

Die Eiskönigin 2 Filmkritik
Die Eiskönigin 2, Disney Pictures

Folge der Stimme

Die Story ist recht schnell erklärt.
Eines Tages hört Elsa (und nur sie) eine geheimnisvolle Stimme. Diese lockt sie in die Ferne, um ein magisches Geheimnis zu lösen. Der Weg dorthin ist mit vielen Prüfungen und Herausforderung gepflastert, die Elsa gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Anna, dem Schneemann Olaf, Rentier Sven und Kristoff (ihrem zukünftigen Schwager in spe) bestehen muss.

Klingt die Geschichte jetzt etwas fad, brachte sie doch die ein oder andere eindrucksvolle Stelle, an der ich mich teilweise an Herr der Ringe & Co erinnert fühlte.

Die Eiskönigin 2 Filmkritik
Die Eiskönigin 2, Disney Pictures

Wenn Elsa vor einer bis in den Himmel reichenden Nebelwand steht und im Hintergrund der Sonnenuntergang alles in ein orangenes Licht taucht, oder riesigen Felsen-Trolle in der Nacht umher wandern, dann hat das schon eine epische Anmutung.
Genaus so, wenn Elsa auf auf einem Pferd aus Wasser über Meere und Seen reitet.

Generell empfand ich die Stimmung in dem Film eher mystisch, als märchenhaft. Immer wieder gab es wahre Augenöffner, an denen ich mich gerne noch länger hätte sattsehen wollen.

Auf der Höhe der Zeit

Der Animations-Stil von Die Eiskönigin 2 spiegelt den aktuellsten Stand der Technik wieder. Eine lebendige Welt, tolle Charakter-Modelle samt glaubhafter Mimik und Gestik und Farben, die passend aufeinander abgestimmt sind.
Dabei überfordert die ganze Technik nicht das Auge, sondern umschmeichelt es.
Weiß man beispielsweise bei Marvel-Filmen häufig vor lauter Special Effects gar nicht, wohin man als erstes schauen soll, fügt sich in Die Eiskönigin 2 alles zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk.

Die Eiskönigin 2 Filmkritik
Die Eiskönigin 2, Disney Pictures

Muss denn dieser Singsang sein?

Ich gestehe, dass ich innerlich gezuckt habe, als nach nicht mal fünf Minuten Laufzeit das erste Mal angefangen wurde, zu singen. Aber hey: Ich wusste ja schließlich, auf was ich mich einließ.
Danach passierte aber Wundersames.

Mein anfänglicher Schock wich nach jedem weiteren Song mehr und mehr einer Art „Och! Ist ja doch irgendwie ganz schön anzuhören“ (sehr zur Freude meiner Freundin, die beim ersten Lesen dieses Textes schelmisch grinste und laut „HA! Ich wusste es! Ich wusste es!“ rief).
Als dann schließlich „Wo noch niemand war“ angestimmt wurde, wusste ich zuerst nicht, ob ich auf meine Gänsehaut achten oder mit dem Fuß im Takt wippen sollte. Was für ein Brett ist denn bitte alleine dieser Song?!

In Die Eiskönigin 2 wurde wirklich jedes Lied mit Hand, Fuß und jeder Menge Hingabe komponiert. Ganz großes Kino!
Als Sven mit seinem Rentier-Kumpel Sven einen Song im besten 90er Jahre Boy Band-Style performte, war das Eis vollends gebrochen und ich hätte am liebsten applaudiert.

Die Eiskönigin 2 Filmkritik
Die Eiskönigin 2, Disney Pictures

Lachen tut der Seele gut

Neben dem tollen Soundtrack liefert vor allem Schneemann Olaf den nötigen Spaß und das Training für die Lachmuskeln. Egal, ob Groß oder Klein: Es gibt kaum einen Gag, der nicht gezündet hat. So vermischte sich immer wieder das kindliche und erwachsenen Lachen der vielen Zuschauer im Kinosaal.

Besonders gefiel mir, dass der Film häufig auch mal Selbstironie zeigte.
Beispielsweise, wenn Olaf die Story des ersten Teils in Kurzform erklärt, oder der ein oder andere Charakter sein Fett wegbekommt.
Das empfand zumindest ich als ungewöhnlich erfrischend und hätte ich Disney in dieser Form so gar nicht zugetraut.

Die Eiskönigin 2 Filmkritik
Die Eiskönigin 2, Disney Pictures

Ich verstehe nun mehr

Bei all meiner Skepsis, Abneigung von Gesang in Filmen und den „Heile Welt“-Klischees von Disney:
Ich verstehe nun deutlich besser, warum so viele Menschen große Fans der Eiskönigin sind.
Charaktere, Musik und Technik mischen sich hier mit einer Geschichte, die zwar nicht mit überraschenden Wendungen aufwartet, aber dafür sehr gut unterhält.
Und das ist es ja letztendlich, was einen guten Film ausmacht.

Die Eiskönigin 2
Kino-Release DE20.11.2019
Filmlänge103 Minuten
FSK0
RegieChris Buck, Jennifer Lee
FilmverleihDisney Pictures