Mit dem trashig-vielversprechenden Namen „Dracula – Tod im Weltall“ erscheint unter dem bekannten Hörspiel-Label EUROPA, die fünfte Episode der Gruselserie.
Macht die Serie diese mal endlich ihrem Namen alle Ehre, oder fallen selbst kleinen Kindern vor Langeweile die Augen zu?

Das und noch mehr liest du in meiner Hörspiel-Review.

Worum geht’s?

„Die Besatzung des Raumschiffs Xeron 4 stößt bei der Erkundung eines unbewohnten Planeten auf ein seltsames Relikt aus vergangenen Zeiten: Ein verketteter Sarg, von Menschenhand geschaffen! Bei der Bergung des antiken Fundes entdeckt die Mannschaft einblutiges Geheimnis…“

Wer diese Seite regelmäßig liest und Hörspiel-Fan ist, der hat sicherlich meine Reviews zu den ersten vier Gruselserie-Episoden gelesen.
Und leider, leider, leider waren diese Folgen mehr oder weniger Schrott und lebten einzig vom bekannten Namen „Gruselserie“.
Zum Gruseln waren höchstens die einfallslosen Geschichten samt liebloser Produktionen.

Dracula im Weltall

Trotz meiner Enttäuschungen über das Reboot drückte ich die Daumen, dass die fünften Episode der Gruselserie „Dracula – Tod im Weltall“ endlich da anschließt, wo die Originale in den 80ern endeten: Nämlich mit wohliger Gänsehaut bei gerne auch trashigen Geschichten, die im Ohr bleiben.

Cover und Titel der neuen Folge scheinen diesen Wunsch (erneut) zu erfüllen. Der Titel „Dracula – Tod im Weltall“ verspricht Trash in einer völlig neuen Umgebung für den weltbekannten Blutsaugern. Dazu gesellt sich der oben genannte Beschreibungstext, der mich aufhorchen lies.

Und das Hörspiel-Cover? Untermauert das Ganze erneut absolut genial und wirkt dank des Grafens buchstäblich blutrünstig.

Auf den Inhalt kommt es an

Doch Oberflächlichkeiten sind vergänglich. Wichtig ist, was in „Dracula -– Tod im Weltall“ an mein Ohr gelangt.
Was da als Erstes auffällt ist, dass mit dem Sprecher Christian Brückner ein echtes Schwergewicht am Start ist. Seine Stimme sollten die meisten vom großen Robert de Niro her kennen.
Die Entscheidung, ihn hier als Sprecher einzusetzen, ist klasse. Dank seiner Artikulation und Stimme vermag er es, den Zuhörer direkt in die Story zu ziehen.

Warum der Sprecher-Wechsel? Weil Udo Schenk als Dracula in dieser Folge auftritt und diesen Rollenwechseln äußert gut hinbekommt.

Gertie Honeck als Valentina Alexandrowna, die die Hauptrolle einnimmt, gefällt mir stimmlich ebenfalls ausgesprochen gut.
Mit dem selbstbewussten Befehlston an Bord der Xerox 4 hatte ich sofort eine taffe Raumschiff-Kommandantin im Kopf.

Die Story

Erneut ist André Minninger dafür verantwortlich, was die Geschichte und Effekte in diesem Hörspiel betreffen.
Ich halte eine ganze Menge von ihm, aber sah ihn als Fehlbesetzung des Gruselserie-Reboots an.

Im aktuellen Teil kupfert er unverblümt von einem der größten Horror-Geschichten in Hollywood ab: Alien von Ridley Scott (mit Sigourney Weaver). Nur, dass hier die Besatzung eines Raumkreuzers nicht gegen ein fieses Alien, sondern gegen einen Blutsauger antritt.

Die Parallelen der Geschichten sind frappierend.
Beispielsweise ist Valentina Alexandrowna von der Art und ihren Entscheidungen her Ellen Ripley und ebenfalls Heldin der Geschichte.

Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht

Ich finde das Abkupfern der Geschichte nicht schlimm. Besonders deshalb nicht, weil das Abkupfern hier erfolgreich funktioniert.
Trotz der vielen Parallelen zum Original ist die Idee, dass Dracula auf einer Raumkreuzer für Unheil sorgt, spannend.
Was passiert, wenn Teile der Crew ebenfalls zu Vampiren werden? Wohin flüchten, wenn der Platz praktisch begrenzt ist? Und vor allem – wie kann man Vampiren den Garaus machen, wenn sie in den Tiefen des Weltraums nicht der Sonne ausgesetzt sind?

Das macht schon Spaß beim Zuhören!

Sound und Musik

Genau so viel Spaß machen auch die vielen Soundeffekte und die Musik.
Kenner werden raushören, dass beispielsweise das „Tüdelü“ der Boardcomputer und das Öffnen/Schließen der Türen in Gruselserie, Folge 18 „Das Weltraum-Monster“ aus den 80ern vorkamen.
Auch einige der Musikstücken kommen in den alten Teilen vor.
Tolle Entscheidung, die für Hörspiel-Flashbacks sorgt. Das bitte für die Zukunft beibehalten.

Leider wurde aber auch in dieser Episode nicht noch mal mit der notwendigen Sorgfalt gegengehört, bevor das Masterband ins Presswerk ging.
Gegen Ende der Folge gibt es eine Sequenz, in der mit bedrohlicher Musik ein Schott geöffnet wird, um im Anschluss abrupt zu stoppen.
Erneut ein Anfängerfehler, der einfach so nicht vorkommen sollte.
Dass hier ein Brötchen als Semmel betitelt wird sorgt ungewollt für einen Lacher. Eventuell handelt es sich ja auch um eine bayrische Weltraum-Crew …

Fehler im Storytelling

Eine Stunde dauert Gruselserie, Folge 5. Sie hätte gerne auch kürzer ausfallen dürfen. Dadurch hätte man sich einige Längen und eine Wiederholung sparen können.

Längen, weil häufig unnötig lang durch Stille versucht wird, Stimmung zu erzeugen. Das geht allerdings deutlich nach hinten los, weil einfach nichts passiert.
Wiederholung, weil exakt eine Szene zwischen Dracula und zwei Crew-Mitgliedern 1:1 zwei Mal im Hörspiel durchgekaut wird.

Da frage ich mich schon: Warum nicht einfach das Ganze auf maximal 40 Minuten kürzen – dadurch aber mehr Geschwindigkeit und Kurzweiligkeit in die Geschichte aufnehmen?