Seit dem 16.08.2019 wartet eine neue Gruselserie Hörspiel-Folge auf Fans von gepflegtem Horror & Grusel. Der Titel „Projekt X: Invasion der Aliens“ der vierten Episode klingt auf alle Fälle vielversprechend.
Ob sie es auch im Hörtest ist, liest du hier.

Worum gehts?

„Im südlichen Schwarzwaldgebiet herrscht höchste Alarmstufe: Angeblich hat das Militär zwei Ufos gesichtet. Zwei jugendliche Schüler schlagen alle Warnungen in den Wind und erleben in dieser Natur Unfassbares…“

UFOs und Außerirdische sind mittlerweile von Hollywood & Co. ziemlich durchgekaut. Ein Grusel-Hörspiel in diesem Genre ist allerdings recht selten zu finden. Und so freute ich mich trotz der schwachen bis maximal durchschnittlichen ersten drei Episoden der Gruselserie von EUROPA auf den neuesten Teil.

👉 Lies hier mein Review über Gruselserie, Folge 1 und 2
👉 Lies hier mein Review über Gruselserie, Folge 3

Erneut mit bekannten Synchronsprechern und der Hörspiel-Queen Heikedine Körting kann doch eigentlich nichts schief gehen. Oder?

Spannender Einstieg

Das Hörspiel beginnt auf jeden Fall spannend.
Zwei Jugendliche lauschen an einem Funkgerät, was es da draußen denn so neben Trucker-Gesprächen Spannendes zu hören gibt. Prompt stoßen sie dabei auf einen geheimen Militärkanal. Anhand von Unterhaltungen zwischen Soldaten bekommen sie mit, dass im Kratersee direkt in ihrer Nähe merkwürdige Dinge vor sich gehen.
Klar, dass sich die zwei Kids das Ganze selbst anschauen wollen. Dass das allerdings nicht die beste Idee war, stellen sie kurze Zeit später selbst fest.

Damit ist der Einstieg in die Geschichte spannend und stellt die anderen Episoden positiv in den Schatten.

Ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie sich die beiden Kids angespannt im Unterholz vor dem Militär verstecken und kaum glauben können, was sie da sehen und hören. Prima!

Sprecher, Sounds und Musik

Kommandant Sautter (gesprochen von K. Dieter Klebsch) trägt die Episode und überzeugt größtenteils mit seiner Leistung. Anfangs mit passendem militärischen Befehlston am Start, verfällt er während der Geschichte immer mehr dem Wahnsinn – auch, wenn mir der Charakter zum Ende zu überdreht ist.

Die Soundkulisse ist prima. Man hört Aufzüge, Hubschrauber, Schritte auf Fluren, Waldgeräusche, den Funkverkehr oder die merkwürdige Blubbersprache der Aliens. Das passt!

Ausnahme ist, dass die Jugendlichen im Wald von einem Gewitter reden – ich als Zuhörer aber bis auf zwei viel zu leise Donner nichts weiter davon mitbekomme. Schade! Hier wäre atmosphärisch aber auch erzählerisch soviel mehr drin gewesen.
Man stelle sich nur vor, wie die Jungs in der Nacht bei Blitz & Donner durch den Wald irren und unheimliche Aliens im Dickicht sehen.
Bei der viel zu leisen Abmischung frage ich mich schon:
Hören sich die Macher ihr Werk noch mal an, bevor sie es final produzieren lassen? Anders kann ich mir diesen Anfängerfehler des zu leisen Sounds nicht erklären.

Der Langeweile entgehen

Problematisch an dieser Folge ist, dass man die Geschichte über Aliens und einem dem Wahnsinn verfallenen Kommandeurs so ähnlich schon in zig anderen Geschichten gesehen/gehört hat. Dadurch wartet nichts auf mich als Hörer, was mich in Ansätzen geschockt, verblüfft oder überrascht hätte.
Vielmehr machte sich bei mir Laufe der Geschichte immer mehr Langeweile breit.
Wirklich schade, da der Einstieg gelungen ist.

Überraschend ist auch, dass die Leistung der Sprecher in dieser Episode stark schwankt. Ist der Kommandant noch größtenteils glaubwürdig, drückt besonders Robby (einer der beiden Teenager) meine Laune durch seine Sprüche und häufig unsaubere und unmotivierte Aussprache deutlich nach unten.

Auf die Details kommt es an

Es folgen ein paar Kleinigkeiten, die in der Summe darüber entscheiden können, ob eine Geschichte glaubwürdig ist oder nicht.
Letztendlich steckt die Liebe bekanntlich im Detail und die fehlt mir durch solche Schnitzer.

In den ersten fünf Minuten fahren die Jungs mit ihren Bonanza-Fahrrädern in den Wald. Die waren in den 80ern in. Der Rest der Geschichte hört sich aber so an, als ob sie in der jetzigen Zeit spielt. Weitere Bezüge zu dem damaligen oder aktuellen Jahrzehnt gibt es nicht.
Warum werden nicht weitere Bezüge zu diesem Jahrzehnt genommen und sich meinetwegen bei Stranger Things bedient, um so für ein nostalgisches 80’s Feeling zu sorgen?

Die Ausdrucksweise der zwei Kids ist fragwürdig.
Anscheinend dachten sich die Macher, dass Dinge wie „Meine Alten“ (Eltern) und „Mein Alter“ (Vater) passend wäre. Beim Anhören habe ich mich dabei etwas fremdgeschämt, weil es in meinen Ohren einfach nicht passend und viel zu aufgesetzt klingt. Zumal derartige Ausbrüche nicht gerade respektvoll sind.

Dann die Bemerkung der Sprecher über ein Gewitter, das aber nur viel zu leise zu hören ist – siehe weiter oben.

Mein Gruselserie-Herz

Persönlich bin ich mittlerweile der Meinung, dass André Minninger nicht der Richtige Geschichtenschreiber für die Gruselserie ist.
Mir ist zum Beispiel überhaupt nicht klar, was er und EUROPA mit den Geschichten bezwecken will. Mich als Zuhörer zum Gruseln bringen auf jeden Fall nicht.

Entweder schlafe ich vor Langeweile ein (Folge 1 und 2), es wird mit überdrehten Charakteren gearbeitet (Folge 3) oder man versucht Dinge aus Science-Fiction-Filmen in ein Hörspiel zu pressen (Folge 4).
Bis auf das Intro verbindet die Folgen inhaltlich nichts. Das ist nicht unbedingt schlimm. Aber eine klare Positionierung der neuen Gruselserie ist zumindest für mich nicht erkennbar.

Es ist für mich als langjähriger und großer Hörspiel-Fan nach vier neuen Gruselserie-Episoden enttäuschend und ernüchternd mitzubekommen, dass es EUROPA mit all dem Know How und der Erfahrung einfach nicht schafft, spannende und fesselnde Hörspiel-Episoden zu produzieren. Und wenn ich mir die Kommentare auf Facebook & Co. durchlese, stehe ich mit meiner Enttäuschung nicht alleine da.

Ist denn alles schlecht?

Über die vier Episoden hat die Serie hörbare Schritte nach vorne gemacht. Sei es die – besonders in Episode 4 – verbesserten Soundeffekte oder der stärkere Einsatz von atmosphärischer Musik.
Die Sprecher sind mehr oder weniger bekannt. Viele kennt man aus anderen Hörspiel-Produktionen oder Serien/Filmen.
Und die Cover sind durch die Bank weg 1A.

Was aber alle Teile gemein haben, ist das fehlende Herz. Wo ist ein Spannungsbogen, der mich als Zuhörer unbedingt weiterhören lassen will? Wo ist die Dramaturgie? Und vor allem:

Wo ist der Horror bzw. Grusel, der mich zumindest in winzig kleinen Ansätzen erschaudern lässt?
Da sind ja Die drei ??? teilweise noch gruseliger.

Und dann sind da noch diese laufend überflüssigen Moralkeulen …

Mit “Dracula – Tod im All” (erscheint im Oktober 2019 und bereits von mir vorbestellt) gebe ich der Serie eine fünfte und letzte Chance mir zu zeigen, dass sie es noch drauf hat. Nämlich mit Grusel, Originalität, Witz und einem anständigen Spannungsbogen für Gänsehaut zu sorgen.